Gibt es einen Gott – und wenn ja welchen?

Vielleicht war es ein Fehler, mit dem ersten Kapitel des Buches anzufangen, als ich »Die Begründung der Welt« von Thomas Christian Kotulla im Hauskreis vorgestellt habe.

Kotulla will mit seinem Buch ein christliches Gegenstück zum Philosophie-Bestseller »Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?« vorlegen. Mit Tiefgang und aktivem Hinterfragen widmet der Autor sich im ersten Teil des Buches dringenden Fragen der Menschheit. Bereits im ersten Kapitel tritt er den Gottesbeweis an. Es ist schwer für mich diesen kurz und knapp wiederzugeben – aber er hat mit Atomen zu tun. Diese sind dadurch gekennzeichnet, unter den gleichen Bedingungen immer das gleiche chemische Reaktionsergebnis hervorzubringen. Und da wir Menschen mit unserem Denken und Handeln nichts anderes als die Summe und das Resultat komplexer Reaktionen zwischen Atomen seien, sieht der Autor das Übernatürliche als dringend nötig, um unsere Fähigkeit zum eigenständigen Denken zu erklären.

Thomas Christian Kotulla, Jahrgang 1981, hat ursprünglich einen atheistischen Hintergrund. Er ist Doktor der Wirtschaftswissenschaften und hat unter anderem in Harvard studiert. Früh hat er sich für philosophische Fragen interessiert. Doch mit der Frage, ob es einen Gott gibt, hat er sich erst auseinandergesetzt, nachdem er eine schwere Krankheit erlitt. Ich finde es ja erstaunlich, wie unterschiedlich Gott Menschen begegnet – und wie unterschiedlich verschiedene Menschentypen »Beweise« für eine übernatürliche Macht finden. Oder habt ihr schon mal über Atome nachgedacht und seid dabei zu der Erkenntnis gelangt, dass es einen Gott geben muss? Ich nicht! (Dafür hätte ich erst mal besser aufpassen müssen in der Schule, um hier mitreden zu können.) Ich denke, in diesem Kapitel hätte man die naturwissenschaftliche Seite noch besser erklären müssen, damit jeder Leser versteht, was gemeint ist 😉

In Kapitel 2 bis 5 wird es dann leichter zu folgen. Wer für sich die Frage nach der Existenz Gottes bereits beantwortet hat, erhält hier interessante Gedankenanstößen zum Wesen des Menschen (und was dieses über das Wesen eines Schöpfergottes aussagen könnte), über die Herkunft des Menschen (was würde es bedeuten, wenn die Evolutionstheorie die einzige Erklärung für die Identität von uns Menschen wäre?) und der wichtigen Fragen: Warum lässt Gott das Leid in der Welt zu? Warum beantwortet er scheinbar nicht alle Gebete?

Der zweite Teil des Buches ist dann im Großen und ganzen eine Zusammenfassung der christlichen Theologie. Dabei wird in die Tiefe unserer Glaubensüberzeugungen gegangen und auch Punkte angesprochen, die ich sonst gerne vor mir herschiebe und in meinem Alltag zu ignorieren versuche (Der jüngste Tag, Gericht …). Das ist sicherlich nicht nur für Suchende und am Glauben Interessierte spannend zu lesen. Auch Menschen, die schon lange gläubig sind, erhalten hier wichtige Impulse.

Ist »Die Begründung der Welt« ein Buch, dass man lesen sollte, auch wenn man etwas Konzentration benötigt, um in den Text hineinzufinden? Definitiv! Ich würde sagen, es ist ein wichtiges Buch. Für Menschen, die wissen wollen, was Christen glauben. Für Suchende. Und für Christen, die ihren eigenen Glauben vertiefen wollen und sich für Gespräche über ihren Glauben rüsten wollen.

Ich werde es sicherlich noch einmal zur Hand nehmen. Sollte ich es erneut in einem Hauskreis vorstellen, beginne ich aber gleich bei Kapitel 2 😉

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