Kreative Mission: „Den Gesunden Menschverstand nicht ausschalten“ – im Gespräch mit Werberin Eva Jung

Eva Jung ist Kreativdirektorin bei gobasil. Nebenbei schreibt sie unter godnews.de ins Internet, entwirft Bibelspruchkarten (wertvollwort.de und menschjesus.de) und bringt missionarische Spots ins Kino. Gerade hat sie ihr erstes Buch über Crowdfunding finanziert. Für die Reihe zur Kreativen Mission sprach ich mit ihr über Übergabegebete auf Webseiten, Zielgruppen-Werbung auf dem Missionsfeld und darüber, wie man Menschen Gedankenanstöße mit auf den Weg gibt.

Hi Eva. Du arbeitest erfolgreich in der Werbebranche. Nebenbei setzt Du Deine Kommunikationsfähigkeiten immer wieder für missionarische Projekte ein. Braucht Gott im neuen Jahrtausend eine Werbeagentur?
Solange Gott uns in seine Pläne miteinbezieht (und das tut er, meines Wissens, seit der Schöpfung), braucht er seine Leute auch in Werbeagenturen. Mindestens genauso dringend, wie in Supermärkten, am Bahnhof, im Orchester, im Museum, in der Bank, im Internet, an der Werkbank, in der Industrie, Forschung, Medizin – einfach überall eben …

Zum ersten Mal bin ich durch gottspricht.com auf Deine Arbeit aufmerksam geworden. Damals hast Du durch Crowdfunding eine Menge Geld zusammengebracht, um einen evangelistischen Werbespot ins Kino zu bringen. Wie bist du auf die Idee zu der Aktion gekommen?
Ich hatte den Spot für eine andere Aktion geschrieben. Dafür kam er dann aber nicht zum Einsatz. Befreundete Filmer wollten ihn unbedingt drehen – so hatten wir irgendwann den Spot, aber kein Geld, um ihn im Kino zu schalten. Zunächst wollten wir Geld zusammenlegen (ca. 5.000 Euro), um den Spot in Hamburger Kinos zu veröffentlichen. Am Ende hatten wir eine enorm große Crowdfundingaktion losgetreten – längst bevor es Crowdfundingplattformen gab. Unglaublich viele Leute taten sich zusammen und wollten den Film auch in den Kinos ihrer Städte haben. Am Ende kamen 130.000 Euro zusammen und der Film lief für 4 Wochen in über 800 Kinos in ganz Deutschland!

gottspricht.com
Fingerabdruck aus Bibelstellen: gottspricht.com

Die Aktion ist nun schon etwas länger her. Die Webseite zur Aktion ist ja eher minimalistisch – den Link zum „Übergabe-Gebet“ sucht man vergebens. Kern der Seite ist ein Fingerabdruck, in dem Bibelstellen versammelt sind, die von der Liebesbotschaft Gottes erzählen. Wie ist die Resonanz auf die Webseite? Gibt es Storys von Leuten, die dort gelandet sind, von denen Du berichten kannst?
Ich glaube nicht an das „Allheilmittel Übergabegebet“ – aber an die unbändige Liebe Gottes zu seinen Menschen und dass er denen auf der Spur bleibt, die ihm auf die Spur gekommen sind. Ich rege nur die Gedanken an, gebe den Menschen also etwas, worüber sie nachdenken können oder was sie herausfordert – was Gott und die Leute daraus machen, ist dann die Sache von Gott und den Menschen. Als die Kampagne lief, war die Besucherzahl auf der Seite recht rege. Das ist aber schon ein paar Jahre her … Ich habe immer Reaktionen auf meine Websites. Aber im Allgemeinen wendet man sich recht selten an Websitebetreiber (mache ich auch nicht so häufig). Außer es handelt sich um Blogs. Aber da mir die Diskussionen (vor allem leider oft von Menschen, die sich Christen nennen) zu nervig sind, sind die wenigsten meiner Seiten mit Kommentarfunktion ausgestattet.

Das mit dem „Übergabe-Gebet“ meinte ich jetzt auch eher als Witz. Wobei es doch für viele Christen zum wichtigsten Bestandteil einer missionarischen Aktion gehört. Aber interessant finde ich, dass Du bewusst auf Möglichkeiten zum öffentlichen Kommentieren verzichtet hast. In Zeiten, wo sich im Marketing alles darum dreht, dass man seine Zielgruppe durch Social Media aktivieren soll, ist das schon fast wieder mutig.
Kommentieren kann man auf meinen diversen facebook-Fanpages. Diese Plattform lebt vom Kommentieren und Liken und Meinungsäußerung. Und dort kann jeder zur Genüge und nach Belieben in Interaktion treten. facebook ist kurzlebig; wenn dort ein Post ein halbes Jahr alt ist, ist das in der Tat von gestern und interessiert (oder verunsichert) neue Leute nicht mehr. Meine Webseiten sind langlebiger angelegt. Ich möchte keine uralten Diskussionen warm halten – denn in den Kommentaren könnte man noch ewig nachlesen, wie sich möglicherweise verschiedene christliche Meinungen ineinander verknäult haben. Ich möchte nicht den allgemeinen Tenor „you’re welcome – schau dich um, lass dich inspirieren“ meiner Seiten von schrägen Diskussionen verdrehen lassen …

Christliche Kreative sehen sich oft der Fragestellung gegenüber, wie sie ihre Talente für das Missionsfeld einsetzen können – oder nach Auffassung mancher Glaubensgenossen sogar müssen. Dann kam vor ein paar Jahren die Debatte auf, dass christliche Künstler sich mehr entspannen sollten – und das es auch okay sei, nicht jede Komposition, Fotografie, Geschichte … als missionarisches Werk zu betrachten, nur weil man zufällig ein Künstler ist, der Christ ist.
Du scheinst aber ziemlich entspannt mit dem Thema Mission umzugehen. Oder?
Ich tue das, was mir auf dem Herzen liegt und ich tue es nicht, weil mir irgendwer etwas vorschreibt. Ich habe Gott als liebevollen Freund und Vater kennengelernt. Jesus hat mein Leben dermaßen bereichert (ich könnte auch sagen, er hat es gerettet und das wäre nicht übertrieben), dass ich damit nicht hinterm Berg halten kann (und will).
Aber ich mag es nicht, die Leute mit dem Zaunpfahl zu erschlagen. Ich halte mit meinen Glauben nicht hinterm Berg, und wer das interessant findet, darf sich dazu eingeladen fühlen, sich selber mit Gott auseinanderzusetzen … Es gibt so viel Unwissenheit und Vorurteile bezüglich des christlichen Glaubens in unserer Gesellschaft. Das finde ich schade. Da möchte ich gern für „Aufklärung“ sorgen.
Der Glaube an Gott und Jesus ist eine spannende Angelegenheit – ich möchte Menschen den Mund wässrig machen, ein Leben mit Gott in Erwägung zu ziehen.

Dein neues Crowdfunding-Projekt „Alltagstourist“ wirkt auf den ersten Blick wie ein kreativer Bildband. Wenn ich mir die Schlagwörter bei Startnext ansehe, dann fällt mir sofort „Jesus Christus“ ins Auge. Wie viel Botschaft enthält das Buch?
Es enthält weder Übergabegebet noch vorschnelle Antworten 😉 Es ist ein Buch, das dazu anregt, das Besondere im Alltag zu entdecken und es stellt sehr viele Fragen. Und da es ein persönliches Buch ist, in dem es auch um meinen Alltag geht, kommt der Leser nicht umhin, auch mit der Frage nach Gott in Berührung zu kommen.

Missionieren und Evangelisieren sind Themen, mit denen sich viele Christen schwer tun. Warum ist es so wichtig, dass wir uns damit beschäftigen?
Jesu Auftrag an uns ist klar: den Menschen Gottes Liebe weitergeben und sie mit Gott als liebendem Vater bekannt machen. Viele Menschen denken, Gott würde uns ausschließlich fordernd gegenübertreten. Jesu Botschaft ist das komplette Gegenteil: Gott ist uns zugewandt und liebt uns längst bevor wir irgendetwas für ihn tun konnten.

Als Werberin hast Du den Begriff „Zielgruppe“ sicherlich schon häufiger gehört. Gottes Botschaft ist natürlich für alle da, doch wenn man eine Werbebotschaft unters Volk bringen will, versucht man diese normalerweise auf eine möglichst klarumrissene Zielgruppe herunterzubrechen. Wie würdest Du das im Bezug auf missionarische Aktionen sehen? Ist es Erfolg versprechender sich als Missionar eine Zielgruppe zu suchen, deren „Sprache“ man vielleicht auch besser spricht?
Natürlich und unbedingt! Man würde doch auch kein Plakat für Jugendliche im Senioren-Stil gestalten … Wer für Gott unterwegs ist, sollte keinesfalls den gesunden Menschenverstand ausschalten! Ich „predige“ allen meinen Kunden, dass die genaue Kenntnis der Zielgruppe ungemein wichtig ist, für die Wirkung der Kommunikation. Das gilt für Wirtschaftskunden genauso, wie für fromme Themen.

Hast du Tipps für andere Christen, die nicht wissen, wie sie die Liebes-Botschaft von Jesus zeitgemäß unters Volk bringen sollen?
Macht euch locker! Lasst euch von Gott überraschen und lasst jeden Erfolgsdruck aus dem Spiel.

 

Das Crowdfunding zum Alltagstourist-Buch läuft noch etwa eine Woche. Solange habt Ihr noch Zeit Euch unter startnext.de eine vergünstigte Ausgabe zu sichern – oder auch mehr zu geben.

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