Gibt es Lobpreis-Musik, die ich mir zu Hause anhören würde?

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Ich habe meinen Frieden mit der modernen Lobpreis-Musik bereits gemacht. Ich bin im freikirchlichen Umfeld aufgewachsen. Die Musik, die in den Achtzigern und Neunzigern jeden Sonntagmorgen lief, war schlicht arrangiert und simpel getextet. Auch das ständige Hände heben, kommt einem schnell als tote Tradition vor, wenn man in eine freie Gemeinde hineingeboren wird. Natürlich kann es eine Möglichkeit der Anbetung sein und sicherlich wollten die frühen Freikirchler damit alte angestaubte Traditionen aufbrechen – doch mit der Behauptung beim Lobpreis müsste man die Hände heben, haben sie eine neue Tradition geschaffen.

Ich gebe es zu: Ein paar Jahre habe ich im Lobpreis in der Gemeinde mehr so vor mich hingedämmert und bin die Einkaufsliste für den nächsten Tag durchgegangen. Irgendwann bin ich in einer Landeskirche gelandet, die ebenfalls nur moderne Lobpreislieder spielt. Lediglich zum Gottesdienst-Abschluss wird ein altes Gesangbuch-Lied aus der Mottenkiste geholt. Hier habe ich noch mal eine ganz andere textliche Tiefe kennengelernt. Über einen Liedtext von Paul Gerhardt lässt sich anders nachdenken, als über einen popigen Worship-Song, der nur aus acht Zeilen besteht, die fünf Minuten lang wiederholt werden. Ich kenne mittlerweile eine Menge Leute (eigentlich ausschließlich Männer), die sich nur mit den alten Kirchenliedern identifizieren können.

Natürlich ist Lobpreis-Musik in der Gemeinde Beschränkungen unterworfen. Die Texte müssen leicht mitsingbar sein. Auch die Arrangements müssen sich fürs gemeinschaftliche Darbieten eignen. Als ich mal (sehr kurze Zeit) bei der Lobpreis-Probe in einer Gemeinde dabei war, bat der Lobpreisleiter jeden anwesenden Musiker nach einander ein Lied seiner Wahl anzuleiten. Ich habe mir „Vater deine Liebe ist so unbegreiflich groß …“ ausgesucht, alle Hall-Schalter am Gitarrenverstärker und Effektgerät aufgedreht und munter in die Saiten gehauen. »Sehr schön«, sagte der Leiter. »Ich weiß nur nicht, wie dazu jemals eine Gemeinde singen soll.«

Irgendwann habe ich dann die Kurve gekriegt. Ich glaube, es lag daran, dass ich gemerkt habe, dass mir etwas fehlt, wenn ich mich gar nicht am Lobpreis beteilige. Außerdem bin ich nicht mehr so streng, mit der Qualität der Musik. Auch die modernen Songs mit wenig Text haben ihre Berechtigung. Nicht immer müssen es viele Worte sein, um Dank zu sagen oder Gott zu sagen, was er uns bedeutet. Das oben erwähnte „Vater deine Liebe …“ finde ich immer noch großartig. Lobpreis ist eine wichtige Möglichkeit um mit Gott in unserem Alltag zu kommunizieren. Als Christen haben wir allen Grund ihm zu danken, und sollten das auch tun (wenn wir es mal gerade nicht wieder vergessen).
Psalm 103, 2: Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat.
Ob es sich bei der Anbetung wirklich nur um das Singen von Liedern handelt, oder ob sich bei einem Lebensstil des Lobpreis auch um ganz andere Ausdrucksformen handeln kann, ist noch mal eine ganz andere Frage. An dieser Stelle geht es erst mal nur um Musik 😉

Trotzdem würde ich die Musik vom Sonntags-Gottesdienst nicht zu Hause hören. Also habe ich mich in den letzten Wochen auf die schwierige Suche nach Lobpreis-Musik gemacht, die mir wirklich gefällt. In den nächsten Artikeln werde ich präsentieren, was dabbei herausgekommen ist. Letztlich gibt es zwei Möglichkeiten: In der Masse moderner Lobpreis-Bands und Worship-Singer-Songwritern nach den persönlichen Perlen fischen. Oder nach Bands suchen, die „normale“ Musik machen, die aber auch den ein oder anderen Anbetungssong im Repertoire haben – und daraus das Genre-Lobpreis-MixTape erstellen.
Vielleicht habt Ihr bis dahin auch ein paar Musik-Tipps für mich? Oder Ihr erzählt, was Ihr für Erfahrungen mit Lobpreis-Musik habt. Ich bin gespannt … 😉

Der fromme Chaot schlägt wieder zu

Den spannendsten Teil des neuen »Tagebuch eines frommen Chaoten« (Der fromme Chaot auf Gemeindefreizeit) fand ich ehrlich gesagt das Vorwort. Hier schreibt der echte Adrian Plass (nicht sein Buch-Altar Ego) über die Entstehung der Chaoten-Reihe, über seine ersten Schritte als Autor und über die heilende Kraft von Humor. Ich stimme Adrian zu: Lachen ist eine großartige Form der Seelsorge.

Deshalb ist auch der Rest des Romans sehr zu empfehlen. Den frommen Chaoten verschlägt es diesmal auf eine Wochenend-Gemeindefreizeit. Genauergesagt hat er sich sogar breitschlagen lassen, die Veranstaltung zu organisieren. Natürlich gegen seinen Willen. Und selbstverständlich mit zahlreichen Verwicklungen. Wer schon einmal in einem christlichen Tagungsheim war, weiß, dass es eine eigene Welt mit ihren Sonderheiten ist. Das muss auch Adrian spüren. Übrigens: Der echte Adrian Plass hat von 2010 bis 2012 in einer eben solchen Einrichtung gewohnt und dort mitgearbeitet – der Scargill House Community in Yorkshire.

Der fromme Chaot ist älter geworden und damit vielleicht nicht weiser, aber nachdenklicher. Mittlerweile ist sogar sein Sohn Gerald erwachsen, verheiratet und Pastor. Die Themen, die im Buch angesprochen werden, sind deutlich ernster, als in anderen Tagebüchern. So geht es beispielsweise um schwere Krankheiten, Depression und den Tod naherstehender Menschen. Diese Themen werden nicht dem schnellen Lacher preisgegeben, sondern mit Fingerspitzengefühl behandelt. Dann gibt es aber ein Ehepaar, das sich während der Gemeindefreizeit mehrmals trennt und wieder zusammenkommt. Ihr Handlungsstrang wird mit umso mehr britischem Humor erzählt.

Auch Leonard Thynn sorgt wie immer für viele humoristische Einlagen, beim Versuch sich vom Navi zum Ort der Gemeindefreizeit leiten zu lassen. Ob er jemals dort ankommen wird, bevor seine Freunde abreisen? Eins steht fest: Auch wenn auf dem Buchcover steht, dass es sich diesmal um das wirklich letzte Tagebuch des frommen Chaoten handelt – die Reise des Adrian Plass ist noch nicht beendet. Ich folge ihm gern auf seinen Wegen.

Hier könnt Ihr das Buch bei Amazon vorbestellen:

Der fromme Chaot auf Gemeindefreizeit: Das diesmal wirklich letzte Tagebuch des frommen Chaoten

Gibt es einen Gott – und wenn ja welchen?

Vielleicht war es ein Fehler, mit dem ersten Kapitel des Buches anzufangen, als ich »Die Begründung der Welt« von Thomas Christian Kotulla im Hauskreis vorgestellt habe.

Kotulla will mit seinem Buch ein christliches Gegenstück zum Philosophie-Bestseller »Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?« vorlegen. Mit Tiefgang und aktivem Hinterfragen widmet der Autor sich im ersten Teil des Buches dringenden Fragen der Menschheit. Bereits im ersten Kapitel tritt er den Gottesbeweis an. Es ist schwer für mich diesen kurz und knapp wiederzugeben – aber er hat mit Atomen zu tun. Diese sind dadurch gekennzeichnet, unter den gleichen Bedingungen immer das gleiche chemische Reaktionsergebnis hervorzubringen. Und da wir Menschen mit unserem Denken und Handeln nichts anderes als die Summe und das Resultat komplexer Reaktionen zwischen Atomen seien, sieht der Autor das Übernatürliche als dringend nötig, um unsere Fähigkeit zum eigenständigen Denken zu erklären.

Thomas Christian Kotulla, Jahrgang 1981, hat ursprünglich einen atheistischen Hintergrund. Er ist Doktor der Wirtschaftswissenschaften und hat unter anderem in Harvard studiert. Früh hat er sich für philosophische Fragen interessiert. Doch mit der Frage, ob es einen Gott gibt, hat er sich erst auseinandergesetzt, nachdem er eine schwere Krankheit erlitt. Ich finde es ja erstaunlich, wie unterschiedlich Gott Menschen begegnet – und wie unterschiedlich verschiedene Menschentypen »Beweise« für eine übernatürliche Macht finden. Oder habt ihr schon mal über Atome nachgedacht und seid dabei zu der Erkenntnis gelangt, dass es einen Gott geben muss? Ich nicht! (Dafür hätte ich erst mal besser aufpassen müssen in der Schule, um hier mitreden zu können.) Ich denke, in diesem Kapitel hätte man die naturwissenschaftliche Seite noch besser erklären müssen, damit jeder Leser versteht, was gemeint ist 😉

In Kapitel 2 bis 5 wird es dann leichter zu folgen. Wer für sich die Frage nach der Existenz Gottes bereits beantwortet hat, erhält hier interessante Gedankenanstößen zum Wesen des Menschen (und was dieses über das Wesen eines Schöpfergottes aussagen könnte), über die Herkunft des Menschen (was würde es bedeuten, wenn die Evolutionstheorie die einzige Erklärung für die Identität von uns Menschen wäre?) und der wichtigen Fragen: Warum lässt Gott das Leid in der Welt zu? Warum beantwortet er scheinbar nicht alle Gebete?

Der zweite Teil des Buches ist dann im Großen und ganzen eine Zusammenfassung der christlichen Theologie. Dabei wird in die Tiefe unserer Glaubensüberzeugungen gegangen und auch Punkte angesprochen, die ich sonst gerne vor mir herschiebe und in meinem Alltag zu ignorieren versuche (Der jüngste Tag, Gericht …). Das ist sicherlich nicht nur für Suchende und am Glauben Interessierte spannend zu lesen. Auch Menschen, die schon lange gläubig sind, erhalten hier wichtige Impulse.

Ist »Die Begründung der Welt« ein Buch, dass man lesen sollte, auch wenn man etwas Konzentration benötigt, um in den Text hineinzufinden? Definitiv! Ich würde sagen, es ist ein wichtiges Buch. Für Menschen, die wissen wollen, was Christen glauben. Für Suchende. Und für Christen, die ihren eigenen Glauben vertiefen wollen und sich für Gespräche über ihren Glauben rüsten wollen.

Ich werde es sicherlich noch einmal zur Hand nehmen. Sollte ich es erneut in einem Hauskreis vorstellen, beginne ich aber gleich bei Kapitel 2 😉

Hier könnt Ihr Euch das Buch bestellen: »Die Begründung der Welt« (Amazon-Link)

Hört Gott unsere Gebete?

Auf The Faith Side bin ich bei ZEIT Online gestoßen. Es handelt sich um den Video-Podcast von ein paar Franziskaner-Mönchen aus der Bronx, den Franciscan Friars of the Renewal, die ziemliche Cartoon-Fans zu sein scheinen.

In dem oben zu sehenden Video, beschäftigt sich Bruder „Larry Garson“ mit der Frage, ob Gott eigentlich unsere Gebete hört, wenn wir uns an ihn wenden. Sicherlich kennen wir alle die Zweifel, ob er das wirklich macht. In unserem Hauskreis haben wir unlängst ein Gebets-Tagebuch eingeführt. Wenn Gebetsanliegen gesammelt und vor Gott gebracht werden, werden diese notiert. Natürlich hat jeder das Gefühl, dass nichts erhört wurde. Doch wenn man nach ein paar Monaten ins Gebets-Tagebuch sieht, macht man plötzlich große Augen: Doch Gott erhört Gebete! Leider immer noch nicht alle … Warum ist das so?

Der Franziskaner-Bruder erzählt in dem Clip die Geschichte, wie er in der ersten Klasse jeden Abend dafür gebetet hat, dass Gott seine Mitschülerin Christie zu seiner Freundin macht. Passiert ist jahrelang nichts, was den Grundschüler ernsthafte Zweifel daran beschert hat, ob Gott Gebete erhört.
Dann in der sechsten Klasse, war Christie auf einmal verliebt in ihn. Dummerweise interessierte er sich mittlerweile für Kim. Noch ein paar Jahre später ist er dann Mönch geworden und hat sich nun nur noch für „Christi“ interessiert, statt für Christie.

Ein schönes Beispiel dafür, dass Gott manchmal einen ganz anderen Zeitbegriff hat als wir.

2. Petrus 3,8: „Eins aber sei euch unverhalten, ihr Lieben, daß ein Tag vor dem HERRN ist wie tausend Jahre, und tausend Jahre wie ein Tag.“

Manchmal hat Gott auch etwas anderes mit uns vor, als wir planen. Heißt das, dass wir nun alle Mönche werden sollen? Natürlich nicht 😉